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Wenn sich die Liebe neu sortieren muss – Paarbeziehung zwischen Windeln und leerem Nest

In meiner Systemischen Praxis für Paarberatung und Paartherapie in der Landhausstraße 12a in Neuenhagen begleite ich häufig Paare in zwei sehr unterschiedlichen – und zugleich überraschend ähnlichen – Lebensphasen: Paare, die (gerade) Eltern geworden sind, und Paare, deren Kinder das Haus verlassen haben und die sich nun als sogenannte „Empty Nester“ neu begegnen.

Beide Phasen markieren tiefgreifende Übergänge. Beide bringen Bewegung in die Beziehung, stellen Selbstverständlichkeiten infrage und fordern dazu auf, sich als Paar neu zu definieren. Und beide bergen die Chance, die Beziehung bewusster, lebendiger und auch reifer zu gestalten.


Wenn aus Paaren Eltern werden: Nähe unter Dauerbelastung

Die Geburt eines Kindes verändert alles. Auch wenn ein Kind sehnlichst erwartet wurde, erleben viele Paare die erste Zeit als emotionalen Ausnahmezustand. Der Alltag wird enger, die Nächte kürzer, die Anforderungen höher. Die Paarbeziehung rückt häufig in den Hintergrund – nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus schlichter Überforderung.

In meiner Praxis höre ich von Eltern oft Sätze wie:

  • „Wir reden nur noch über Organisatorisches.“

  • „Ich fühle mich allein, obwohl wir zu zweit sind.“

  • „Für uns als Paar bleibt keine Energie mehr.“

Schlafmangel, unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, unausgesprochene Erwartungen und alte Beziehungsmuster, die unter Stress wieder auftauchen, führen schnell zu Spannungen. Nähe, Sexualität und Leichtigkeit werden auf „später“ verschoben – in der Hoffnung, dass sich alles von selbst beruhigt, wenn das Kind größer ist.

Systemisch betrachtet ist diese Phase keine Krise im klassischen Sinn, sondern eine massive Umstrukturierung. Aus dem System „Paar“ wird das System „Familie“. Rollen müssen neu gefunden, Verantwortlichkeiten neu verteilt und Bedürfnisse neu ausgehandelt werden. Wenn dieser Prozess unbewusst bleibt, entstehen leicht Missverständnisse und emotionale Distanz – es droht ein „Beziehungsinfarkt“.


Wenn die Kinder gehen: Das Paar rückt wieder ins Zentrum

Am anderen Ende der Familienphase stehen Paare, deren Kinder gerade ausgezogen sind oder kurz davorstehen. Nach vielen Jahren intensiver Elternschaft verändert sich das Leben erneut – diesmal stiller, weniger spektakulär, aber nicht weniger tiefgreifend.

Plötzlich ist da wieder Zeit. Freiheit. Ruhe. Und manchmal eine Leere, die überrascht.

Viele Paare in dieser Phase sagen:

  • „Wir haben uns jahrelang um die Kinder gedreht.“

  • „Jetzt wissen wir gar nicht mehr, wer wir als Paar sind.“

  • „Wir funktionieren gut, aber es fühlt sich nicht mehr verbunden an.“

Mit dem Auszug der Kinder tritt die Paarbeziehung wieder in den Vordergrund – oft ungeübt und wenig gepflegt. Themen, die lange keinen Raum hatten, werden spürbar: unerfüllte Wünsche, unterschiedliche Zukunftsvorstellungen, alte Verletzungen oder das Gefühl, sich im Laufe der Jahre auseinanderentwickelt zu haben. Und das in einem Alter irgendwo in den Fünfzigern, wo in der Regel noch gut 30 Jahre vor einem liegen.

Auch hier ist nicht der Auszug der Kinder das eigentliche Problem. Vielmehr zeigt sich nun, was über lange Zeit keinen Platz hatte. Für manche Paare ist das verunsichernd, für andere befreiend – für alle ist es eine Phase, die Aufmerksamkeit verdient.



Die Gemeinsamkeit: Übergänge fordern bewusste Gestaltung

Ob junge Eltern oder Empty Nester – beide Gruppen befinden sich in Übergangsphasen. Und Übergänge sind Zeiten, in denen Beziehung besonders verletzlich, aber auch besonders entwicklungsfähig ist.

Beiden Phasen ist gemeinsam:

  • Rollen verändern sich.

  • Erwartungen müssen neu ausgesprochen werden.

  • Konflikte treten deutlicher hervor.

  • Die Paarbeziehung braucht eine neue Definition.

Der entscheidende Unterschied liegt nach meiner Erfahrung darin, ob Paare diese Veränderungen aktiv gestalten oder ihnen passiv begegnen.


Wie Systemische Paartherapie unterstützen kann

Als Systemische Paartherapeutin verstehe ich Beziehung nicht als etwas Starres, sondern als lebendiges Gefüge, das sich ständig an neue Lebensbedingungen anpasst. Streit, Rückzug oder emotionale Distanz sind dabei keine Defizite, sondern sinnvolle Reaktionen auf Überforderung oder ungeklärte Dynamiken.

In der systemischen Paartherapie/-beratung geht es darum,

  • Kommunikationsmuster sichtbar zu machen,

  • Rollen, Erwartungen und Bedürfnisse auszusprechen,

  • Loyalitäten (z. B. gegenüber Kindern, Herkunftsfamilien oder alten Lebensentwürfen) zu reflektieren,

  • neue Perspektiven zu entwickeln,

  • tragfähige, alltagstaugliche Vereinbarungen zu finden.

Junge Eltern profitieren besonders davon, frühzeitig innezuhalten, bevor sich Entfremdung verfestigt. „Empty Nester“ wiederum können diese Phase nutzen, um ihre Beziehung nicht nur zu stabilisieren, sondern bewusst neu zu gestalten – jenseits der Elternrolle.


Beziehung braucht Aufmerksamkeit – in jeder Lebensphase

Eine verbreitete Annahme ist, dass eine gute Beziehung „von selbst“ trägt, wenn man sich nur genug liebt. Meine Erfahrung ist eine andere: Jede Beziehung braucht Pflege, besonders dann, wenn sich die äußeren Bedingungen stark verändern.

Ob mit kleinen Kindern oder nach dem Auszug der Kinder – die Paarbeziehung benötigt und verdient Raum. Nicht erst dann, wenn es „nicht mehr geht“, sondern gerade dann, wenn sich etwas verschiebt, sich fremd anfühlt oder Fragen aufwirft.

Manchmal reicht ein offenes Gespräch. Manchmal braucht es einen geschützten Rahmen mit professioneller Begleitung. Beides ist kein Zeichen von Scheitern, sondern vielmehr von Verantwortung – für sich selbst, für die Partnerin oder den Partner und für die gemeinsame Geschichte und Zukunft.


Fazit: Jede Phase trägt Entwicklung in sich

Eltern zu werden und als Eltern „loszulassen“ gehören zu den tiefgreifendsten Erfahrungen im Leben eines Paares. Beide Phasen können verunsichern, herausfordern und trennen – oder verbinden, vertiefen und neu beleben. Wenn Sie merken, dass Ihre Beziehung sich verändert, festgefahren wirkt oder nach Orientierung sucht, ist das kein Makel, sondern ein Hinweis darauf, dass etwas in Bewegung ist.


Haben Sie sich beim Lesen dieses Textes an der ein oder anderen Stelle vielleicht angesprochen gefühlt? Dann möchten wir Sie einladen innezuhalten, hinzuschauen und bewusst zu entscheiden, wie Sie Ihre Beziehung weiter gestalten möchten. Hier in meiner Praxis für Paartherapie in der Landhausstraße 12a in Neuenhagen begleiten meine Kolleg:innen und ich Paare genau in diesen Übergangsphasen – ernsthaft, zugewandt und mit einem klaren Blick für die Möglichkeiten, die entstehen, wenn zwei Menschen bereit sind, sich neu aufeinander einzulassen. Finden Sie in einem unverbindlichen Erstgespräch heraus, wobei wir Sie auf Ihrem Weg unterstützen können.


Herzliche Grüße und bleiben Sie beieinander...     


Ihre Antje Neumann-Schröter

 
 
 

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